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YVETTE KIESSLING - Malerei

15. September bis 22. Oktober 2017

 

Zur Vernissage am Freitag, den 15. September 2017 um 19.30 Uhr laden wir Sie herzlich in die Räume unserer Galerie an der Festhalle ein.

Zur Ausstellung sprechen: Dr. Doris Apell-Kölmel, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins des Museums der bildenden Künste Leipzig e.V. und Dr. Elmar Zorn.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch 16:00 - 18:00 Uhr,
Freitag und Samstag 16:00 - 19:00 Uhr,
Sonntag 10:00 - 12:00 und 16:00 - 19:00 Uhr.

 

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YVETTE KIESSLING

1978 geboren in Ilmenau
1997-2003 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Klasse für Malerei bei Professor Arno Rink
2004-2007 Meisterschülerstudium bei Professor Arno Rink
2006 Druckgrafikstipendium, Hohenossig
2007 Stipendium der Schulerstiftung, Wuppertal
2009 Eb-Dietsch-Preis, Kunstpreis der Geraer Bank, Gera
Il Monte Analogo, Stipendium/ Kunstprojekt,
Brenta Dolomiten, Italien
2010 Studienaufenthalt auf Island
2012 Lithographiestipendium, Steinwerk, Leipzig
2015 Artist in residence, Künstlerhaus Hohenossig
2015 Studienreise nach Marokko
2016 Studienreisen nach Marokko und Sansibar
2017 Studienreise nach Vietnam
lebt und arbeitet in Leipzig

 

SOLO- (S) UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl) 2013–2017

2017
"Mashup", Barlachhalle K, Hamburg
"uncover", galerie archiv massiv, Leipzig
"Swamp", Galerie Leuenroth, Frankfurt am Main
"Elbe, Marokko, Sansibar" (S), Galerie Thaler, Leipzig
2016
"Elbe_Labe" (S), Schloß Hartenfels, Torgau
"maroc", Galerie ASPN, Leipzig
"Elbe_Labe" (S), Galerie in der Stadtscheune, Otterndorf
"Der Elbe-Zyklus" (S), Kunsthalle Wilhelmshaven
"Les Miniatures", Galerie Nicole Gnesa, München
2015
"Neon Kunstauktion", Kunsthaus Hamburg
"20 Jahre Neuerwerbungen für die Grafische Sammlung", Kunsthalle Wilhelmshaven
"Werkschau 2015", Leipziger Baumwollspinnerei, Leipzig
"In guter Nachbarschaft", Museum der Bildenden Künste, Leipzig
2014
"hin zur See" (S), Galerie in der Stadtscheune, Otterndorf
"ich komm mit Fisch zurück" (S), Galerie Leuenroth, Frankfurt am Main
"Alba" (S), Museum Salzkirche, Tangermünde
2013
"Landstriche", Galerie Leuenroth, Frankfurt am Main
"Du bist mein Spiegel", Galerie Potemka, Leipzig
"Vom Fluss", Kunstraum Seilerstraße, Griffelkunst, Hamburg

 

Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Yvette Kiessling. Malerei und Lithographie"

von Elmar Zorn

Meine Damen und Herren,

wenn eine Künstlerin, deren Malerei, Lithographie und Radierungen Natur zum Thema haben, sich mit ihren Werken in einen Kunstverein begibt, dessen Leiter sich ebenfalls als Künstler der Natur verschrieben hat, dann hat sie sich womöglich in die Höhle des Löwen begeben. Doch weit gefehlt! Im Gegenteil: sie ist hier richtig angekommen an einem Ort, an dem der Blick auf Natur und Landschaft, wie sie ihn in ihren Gestaltungen umsetzt, geschätzt und gepflegt wird. Nun ist es nicht das erste Mal, dass sie mit ihren Arbeiten hier präsent ist, weiß also, dass das Programm des Kunstvereins in Aschau sich deutlich absetzt von denen anderer Spielstätten zeitgenössischer Kunst, gerade auch, was die Thematik der Natur und der Landschaft betrifft. Freilich wäre es auch ein zwar nahe liegendes, doch großes Missverständnis in dieses Programm von Rudi Distler Erwartungen für die Fortsetzung der regionalen Tradition der sogenannten Chiemsee-Maler zu setzen. Worum es geht, ist dem gängigen Kunstbetrieb mit seinen Oberflächlichkeiten und Ritualen widerständige Alternativen entgegen zu halten und der Kunst ein Forum zu bieten für ihre anderen Gestaltungen. Was in diesen Ausstellungen hier entsteht, sind immer wieder neue Kunstwelten. Ich hole heute etwas aus, aus Anlass von Arno Rinks Tod. Denn es gab vor einem Jahr einen Höhepunkt solcher Programmatik in der Ausstellung von Arno Rink und Rudolph Distler mit dem schönen Titel „Die Poesie der Welt“, in dem der Dialog dieser beiden Künstler eine ganze Welt umfaßt hatte. „Das Zusammenspiel der beiden“, sagte ich damals. „lässt vermuten, dass sie es satt sind, dem Illustrationsbetrieb der Life-Styles lediglich zuzusehen. Sie wollen offensichtlich auch gemeinsam ihren eigenen Ort der Kunst und ihre eigene Zeit kreieren.“ Dieser Eindruck wurde in der gestrigen Ausgabe der ZEIT bestätigt durch Neo Rauch, der über seinen Lehrer und Freund sagt: “Man muss unbedingt die Bedeutung seines Schaffens in die Welt tragen.“ Gleichfalls eine Schülerin von Arno Rink wie Neo Rauch ist Yvette Kiessling. Mit ihrem Schaffen tut sie genau das, was Rauch fordert, mit der gleichen unbeirrten Konsequenz, die Arno Rinks Werk auszeichnet und das von Neo Rauch.

Sie stellt sich bewußt in die große Tradition europäischer Landschaftsmalerei. Dass sie bei einem solchen Aufgreifen auf die Arroganz eines Teils des Kunstbetriebs trifft, nimmt sie dabei in Kauf, so wie Anfang der 1980er Jahre noch ausgelacht wurde, wer die Landschaftsmalerei etwa von Helmut Pfeuffer pries als Malerei der Zukunft, wie ich das tat – allerdings damals vom sicheren Boden des Münchner Kulturamtes aus. Da sie mitten in einer Wasserlandschaft lebt, im Leipziger Raum, liebt sie es die Natur vom Wasser aus, also von ihrem Boot aus, mit ihrem Handwerk der Malerei, der Lithographie und der Radierung zu erfassen. Ihre bevorzugte künstlerische Arbeits- weise ist die Freiluftmalerei, Plein-air-Malerei – wie die gleichnamige Kunstrichtung, die Anfang der 19. Jahrhundert in der englischen Landschaftsmalerei aufkam und von der französischen Schule von Barbizon und den Impressionisten, etwa Claude Monet, kultiviert wurde. Und sie liebt die Malerei der deutschen Romantik, sieht sich selber als Romantikerin. Wer sich in ihre Arbeiten vertieft, wird diese Vorliebe entdecken in Struktur und Gestus ihrer Werke. Denn Romantik in der bildenden Kunst stellt sich ein bzw, wird herbei geführt, wenn die gesuchte Nähe zu Natur in der Landschaft von dem Standort, in dem das Bild konzipiert wird, als möglichst große Ferne inszeniert wird. Dieses paradoxe Spiel zwischen Nähe und Ferne hat als erster perfekt Caspar David Friedrich auf die Leinwand gebannt. Während Friedrich aber gerne Beobachter- Figuren einer fernen Naturbetrachtung so in Szene setzt, dass ihre Hinneigung zur Ferne den Akt der Sehnsucht thematisiert, übernimmt in Yvette Kiesslings Malerei die Künstlerin selbst die Rolle der Bobachterfigur. Insofern kommen in ihren Werken keine oder kaum Menschen vor. Anders ausgedrückt: ihr Standort geht in die Aussage des Bildes implizit ein, so wie sie es liebt Wahrnehmung anzudeuten in ihrer Darstellung und nicht explizit auszuführen.

Wir werden bei der Bildbetrachtung nicht nur einer von uns auszufüllender Landschaft ansichtig, sondern nehmen wahr, wie die Künstlerin ihr Licht auf die Szenerie anlegt: etwa als eine weisse Strahlung hinein ins Bild. Diese wird uns eben nicht vorgestellt als von der Sonne, vom Mond oder anderen Lichtquellen der Natur ausgehend. Es ist die Projektion außerhalb des Bildes, d.h. vom Standort der Künstlerin aus, der während der Betrachtung ja auch der unsrige ist. Am schönsten ist solches erfahrbar bei dem Bild, das uns nach dem Aufgang in den 1. Stock empfängt, mit dem Titel „weiter Strom“, von 2014. Mit Weiss- und Graufärbungen und den säumenden Uferrändern ist eine Wasserfläche evoziert. Obwohl das Blau fehlt, fühlen wir Betrachter umso intensiver die Natur und erleben sie mit der Schöpferin des Bildes mit – eine geniale Erfindung neuer Naturwahrnehmung, um die auslösende, „reale“ Landschaftserfahrung noch stärker in ihrer Kraft zu verbildlichen. Auf vergleichbare, wenn auch in ihrem Methoden ganz andere Weise haben vor 100 Jahren Maler nicht allzu weit entfernt von hier, im Raum von Murnau, Kochel und Schlehdorf ihre Farbgebungen gesteigert zu einer neuen Erkennbarkeit: es wurden rote Pferde und blaue Reiter. Ich spreche von Franz Marc und Wassili Kandinsky.

Lassen Sie mich Ihnen noch einen Hinweis geben, den ich von Yvette Kiessling im Gespräch erhalten habe. Es gibt eine ziemlich raffinierte Technik in ihren Bildern von der anfänglichen Lithographie zur Malerei zu wechseln und zwar im gleichen Bild, ein mediales Ping-Pong-Spiel, schließlich wieder ins Lithographische zurück zu kommen, eben um Landschaft einzufangen. Sie können das genau studieren, wenn Sie sich die Arbeit an der linken Wand des Gangs im 1. Stock anschauen, mit dem Titel „Elbwiese“ von 2017. Es ist ein Diptychon mit einem merkwürdigen, ja geheimnisvollen Rot. Ich möchte die Künstlerin daher am Schluß meiner Rede und als Übergang befragen, wie sie diese Arbeit technisch bewerkstelligt hat, so dass Sie, meine Damen und Herren, gleich anschließend diesen Trick, diesen künstlerischen Einfall nachvollziehen können.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bitte Yvette Kiessling uns ihre Methode zu erläutern, wenigstens rudimentär!

Elmar Zorn 

'Jungle, Sansibar' 2017 40x35cm Öl/Leinwand/Holz
'Jungle, Sansibar' 2017 40x35cm Öl/Leinwand/Holz